Are you an expert AI user —
or just an AI system with a human interface?“
Diese Frage kam nicht aus unserem Buch.
Sondern aus meinem eigenen Team.
Und sie hat den Raum still gemacht.
Nicht wegen ihrer Zuspitzung.
Sondern weil jeder sofort gemerkt hat: Diese Frage zielt nicht auf Tools. Sie zielt auf unseren eigenen Zustand in der Veränderung.
Wir reden im Moment viel darüber, wie schnell sich KI entwickelt.
Über neue Modelle, neue Tools, neue Möglichkeiten.
Aber die Frage zielt tiefer.
In vielen Organisationen nutzen Menschen KI längst im Alltag – ohne zu verstehen, in welchem Zustand sie dieser Veränderung gerade begegnen.
Sie arbeiten mit. Aber sie führen sich und andere noch nicht bewusst hindurch.
Was in unserem Team plötzlich sichtbar wurde
Vor ein paar Wochen haben wir genau das sichtbar gemacht.
Nicht durch ein neues Tool.
Nicht durch noch eine Strategie.
Sondern durch eine einfache Übung.
Und plötzlich wurde etwas klar, das vorher nur diffus spürbar war:
Wir arbeiten zwar im selben Team –
aber nicht alle im selben Zustand.
Einige waren längst in der Integration angekommen und experimentierten selbstverständlich mit neuen Ansätzen.
Andere suchten noch Orientierung.
Wieder andere stellten sich zunächst die Frage nach ihrer eigenen Rolle.
Die Spannungen im Team waren damit nicht verschwunden. Aber sie wurden erklärbar.
Was vorher wie Widerstand wirkte, war oft nur ein anderer Raum in derselben Veränderung.
Du führst keine Technologie ein.
Du führst Menschen durch unterschiedliche Zustände – und scheiterst, wenn du sie gleich behandelst.
Genau dafür ist die 7-Räume-Übung hilfreich: Sie macht sichtbar, was Führung sonst zu spät erkennt.
Die 7 Räume der Veränderung
Die Übung ist simpel.
Gerade deshalb funktioniert sie.
Sie gibt dir eine gemeinsame Sprache für etwas, das in vielen Teams bisher nur diffus spürbar ist.
Du wirst dich in mindestens einem dieser Räume wiederfinden:
Unawareness – du hast noch keinen echten Bezug zum Thema; es fehlt ein Anlass, dich ernsthaft damit zu beschäftigen
Shock – die Geschwindigkeit überfordert dich; du weißt nicht, wo du sinnvoll anfangen sollst
Denial – du findest gute Gründe, warum das Thema für dich gerade noch nicht relevant sein soll
Confusion – du siehst zu viele Möglichkeiten und zu wenig Orientierung; deshalb kommst du nicht ins Handeln
Acceptance – du hast verstanden, dass KI relevant ist; aber deine Nutzung bleibt punktuell
Integration – KI wird Teil deiner täglichen Arbeit und verändert Routinen spürbar
Transformation – du veränderst aktiv Arbeitsweise, Entscheidungen und dein Selbstverständnis
Die Übung bewertet keine Menschen.
Sie verhindert Führungsfehler.
Denn ohne diese Einordnung hältst du Überforderung für Unwillen, Skepsis für Blockade und punktuelle Nutzung schon für echten Fortschritt.
Der entscheidende Punkt ist nicht, in welchem Raum du bist.
Sondern welche Barriere dich davon abhält, den nächsten Schritt zu gehen.
Und genau hier beginnt Führung.
Nicht bei der Frage, welches Tool du einführst.
Sondern bei der Frage, welche Barriere du auflösen musst.
Wenn du das nicht tust, behandelst du Verunsicherung wie Unwillen, Überforderung wie mangelnde Leistung und Skepsis wie schlechten Willen. Genauso scheitern KI-Initiativen in Unternehmen.
Wer im Führungsteam übernimmt die Ownership für diese Einordnung?
Wo wird sichtbar gemacht, wo Menschen gerade stehen – ohne Rechtfertigung, ohne Gesichtsverlust?
Welche konkrete Intervention folgt daraus: mehr Klarheit, mehr Sicherheit oder ein erster echter Anwendungsfall?
Wenn du das nicht aktiv führst, verschwendest du Zeit, verbrennst Vertrauen und hältst Widerstand für ein Personalproblem, obwohl es oft ein Orientierungsproblem ist.
Genau darin liegt ein Kern unseres Buches:
Technologie kannst du ausrollen. Veränderung musst du führen.
Sie entsteht erst dann, wenn Menschen ihre eigene Position verstehen – und den nächsten Schritt gehen können.
Mut-Challenge der Woche
Montag ist Mut-Tag.
Diese Woche brauchst du Mut, weil du eine Führungsannahme offenlegst, die viele Teams ausbremst: dass alle schon gleich weit sind.
Genau das stimmt fast nie.
Und genau deshalb wirkt dieselbe KI-Initiative im selben Team so unterschiedlich.
Die Mut-Challenge (10–15 Minuten)
Mach die Übung heute nicht nur für dich.
Mach sie als Führungsintervention.
Nimm dir die 7 Räume als Raster.
Ordne dich selbst ehrlich ein:
In welchem Raum stehe ich gerade in Bezug auf KI?Benenne dann die eigentliche Barriere:
Was hält mich vom nächsten Schritt ab?
Wenn du ein Team führst, geh noch einen Schritt weiter:
Lass drei bis fünf Menschen aus deinem Team sich selbst einordnen.
Keine Diskussion. Keine Rechtfertigung. Nur Sichtbarkeit.
Triff danach eine konkrete Führungsentscheidung für diese Woche:
mehr Klarheit, mehr Sicherheit oder ein erster echter Anwendungsfall.
Wichtig ist nicht, dass alle sofort weiter sind.
Wichtig ist, dass du aufhörst, Fortschritt zu unterstellen, wo erst Orientierung beginnt.
Wenn du jemanden kennst, der sein Team gerade mit mehr KI-Druck als Klarheit führt – schick ihm diesen Impuls.
Weil Führung an diesem Punkt oft nicht an der Technologie scheitert, sondern an der falschen Annahme, dass alle schon gleich weit sind.
Nächste Woche im Newsletter
Wie du führst, wenn dein Team nicht im selben Tempo lernt – und warum genau dort entschieden wird, ob aus KI-Aktivität echte Veränderung wird.
Geh mutig in diese Woche.
Philipp & Friedrich
